Hier bekommen Sie Informationen zum
Kampfkunstweg des Tai Chi Forums Deutschlands

| Meisterin Li Bin | Meister Sha Jun Jie |
Überblick
über sämtliche beim Tai Chi Forum Deutschland
zu erlernenden inneren Kampfkünste Chinas:
2. Xingyi Quan
3. Bagua Zhang
4. Liu He Ba Fa
5. Tongbei Quan
Der folgende Artikel wurde von Lehrmeister Volker Jung dem Gründer und
leitenden Lehrerausbilder des Tai Chi Forums Deutschland geschrieben, der
selbst mehrere inneren Kampfkünste Chinas langjährig studiert und
unterrichtet hat, aber ebenso in den gängigen japanischen und koreanischen
Systemen langjährig gearbeitet hat. Er
kann sich aufgrund seiner überragenden Erfahrungen in mehr als 10 Systemen
eine sehr genaue Beurteilung dieser sehr verschiedenartigen System erlauben,
da er alle Systeme über die er redet von erstklassigen Meisterinnen und
Meistern erlernt hat und sie alle, zu der Zeit als er sie studierte für
das nahezu beste System hielt das er damals, als er sie praktizierte kannte.
"Kein System ist für alle Menschen in jeder Phase ihres Lebens das Beste"
Jeder Mensch durchläuft sehr viele Phasen in seiner Entwicklung vom Kleinkind
hin zum sehr alten Menschen. Für jeden Charakter und jeden Bewegungstyp,
jeden Alters bietet das eine oder andere System Vor- bzw. Nachteile. Nur so
sind diese folgenden Tipps und Bewertungen anzusehen. Es geht nicht darum
den absoluten Favoriten in irgendeiner Weise herauszuarbeiten und alle anderen
Systeme oder Lehrer schlecht zu machen, was heute leider oft gängige
Praxis unter den Kampfkunst Praktizierenden ist.
Lehrmeister Jung will vielmehr die ungeheure Vielfalt und den Variantenreichtum in der Beschäftigung mit der inneren Energie herausarbeiten, damit ein jeder das System finden kann, welches am besten zu einem passt in der jeweiligen Phase der Entwicklung in der sich ein potentieller Interessent gerade befindet, wenn er sich beginnt für die inneren Kampfkünste Asiens zu interessieren.
Zu diesem Zweck haben wir unser Überblicksvideo "Volker Jung präsentiert innere Kampfkünste" eigens erstellt, das man hier im Internet bestellen kann, siehe extra Seite über die Lehrmaterialien des Forums. Vorab ein kurzer Überblick über die unter der Rubrik innere Kampfkünste Chinas vorgestellten Systeme. Lehrmeister Volker Jung hat sehr langjährige Lern-, Übungs- und Unterrichtserfahrung in allen unten genannten Systemen außer in Tongbei Quan:
| 1. | Tai Chi Chuan ist sehr weit verbreitet und bekannt hier im Westen. Seine leichten sanften Bewegungen haben bereits weltweit eine große Anhängerschaft (mehrere hundert Millionen Praktizierende) gefunden. Man braucht heute eigentlich kaum noch was über Tai Chi zu sagen, denn das Meiste und Wichtigste steht heute bereits in Boulevard Blättern. Es ist das friedlichste unter den inneren Kampfkunstsystemen, da man erst einen ersten Angriff eines Gegners abwartet, bevor man selbst aktiv wird. Erst Yin abwehren und dann Yang Kontern. Es gilt auch als das meditativste unter allen inneren Systemen. Für manche aus diesem Grunde zu ruhig und zu lasch eingestuft, dies aber mit Unrecht, denn es gibt auch eine Fast-Form und sehr schnell auszuführende fortgeschrittene Partnerformen, die aber hierzulande noch weitestgehend unbekannt sind und daher an den meisten Schulen einfach nicht gelehrt werden können. Tai Chi ist nicht nur was für Oma und Opa, sondern auch für junge bewegungsintensive Leistungssportler, aber nur wenn Tai Chi als vollständiges altes Kampfkunstsystem mit entsprechenden Übungen unterrichtet wird. Nicht nur das Praktizieren der langen, langsamen Slow-Form. Man muß alle Übungen kennen, welche die Vollständigkeit eines Systems ausmachen, dann haben auch alle Systeme alles was das Herz begehrt zu bieten. Weitere Infos zum Tai Chi hier!
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| 2. | Xingyi
Quan ist die zweite der 3 klassischen inneren Kampfkünste
und weit weniger bekannt hier im Westen. Es ist etwas fremd beim Zusehen,
da die Übungen weitaus schneller und explosiver ausgeführt
werden, als die langsam, meditativ dahin fließenden Bewegungen
des Tai Chi Chuan. Viele denken deshalb Xingyi sei so etwas wie Karate
eine harte Kampfkunst. Aber das ist nicht der Fall. Es eignet sich
sehr für alle Menschen mit einem hohen Bewegungsdrang und leichter
innerer Unruhe. Man wird ruhiger und zentrierter durch das Xingyi-Training.
Die Entwicklung der so genannten "Line Power" ist
das zentrale Ziel des Xingy-Praktizierenden. Xingyi hat die
Fähigkeit sehr oft hintereinander anzugreifen nahezu perfektioniert.
In kaum einem System kann man so große Distanzen in sehr kurzer
Zeit überwinden wie im Xingyi. Unter den Naturkräften heißt
es der Blitz, weil Xingyi-Könner genauso schnell und unvermittelt
angreifen können wie ein Blitz überraschend und unvorhersehbar
einschlägt.
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| 3. | Bagua
Zhang: Es ist die dritte der
alten 3 klassischen inneren Kampfkünste und eine der elegantesten.
Die Bewegungen sehen ganz anders aus, als die des Tai Chi, oder Xingyi.
Man bewegt sich in der Grundschule für mindestens 4 Formen immer
im Kreis und läuft ganz klassisch alle 8 Himmelsrichtungen, die
vier Haupt- und die vier Zwischenhimmelsrichtungen ab. Bagua entwickelt
die Bein- und Schrittarbeit am besten von allen Systemen, denn es
gibt nicht 5 oder 8 Schrittformen, sondern 64. Damit dürfte klar
sein, daß man im Bagua die ausgeklügelsten Schritte und
Bewegungsfolgen erlernt, die auch ein hohes koordinatorisches Geschick
erfordern. Natürlich beginnt man nicht mit den kompliziertesten
Drehungen und Windungen, sondern mit leichten Übungen und steigert
sich langsam an die sehr langen und sehr ineinander verschachtelten
Drehbewegungen. Bei manchen Bewegungen legt ein Arm eine Strecke von
3 - 5 Metern zurück bevor die Bewegung im eigentlichen Sinne
beendet ist. Auch gibt es innerhalb einer einzigen Bewegung unzählige
spiralförmige Verdrehungen und Richtungsänderungen. Der
Orientierungssinn rund um den Körper und die 360 Grad Wahrnehmung
werden in keinem anderen System derart stark entwickelt wie im Bagua.
Es ist praktisch unmöglich in den toten Winkel eines Bagua Kämpfers
zu gelangen, da er keinen toten Winkel kennt. Fast alle anderen Systeme
haben kleinere, oder größere tote Winkel aus denen heraus
man Angriffe nicht gut abwehren, oder ausweichen kann. Das System
ist wirklich nicht ganz leicht zu erlernen, macht aber für diejenigen,
die sich darauf einlassen sehr viel Freude und man kann sein inneres
und äußeres Gleichgewicht sehr stark verbessern. Man muß
auch ein gewisses Bedürfnis nach viel Bewegung mitbringen und
einen Sinn für komplexe koordinatorische Herausforderungen.
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| 4. | Liu
He Ba Fa: Dieses innere System gehört nicht zum
klassischen Dreigestirn von Tai Chi, Hsing-I und Bagua, aber es ist
eine Mischung aus diesen 3 Systemen. Man hat versucht durch Systemübergreifenden
Austausch zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts die besten
Techniken aus einem jeden System heraus ein Kunstprodukt zu erschaffen,
welches die Highlights der klassischen 3 inneren Systeme in einer
2 teiligen, aber sehr langen Form mit mehreren hundert Bewegungen
vereint. Mir persönlich gefällt das Liu He Ba Fa, oder auch
6 Harmonien und 8 Methoden Boxen genannt sehr gut. Es hat eine mit
nichts zu vergleichende eigene innere leicht asynchron erscheinende
Dynamik, die einem während des Ablaufes der Form mehr und mehr
einfach mitreißt. Meister Huang, Wei Lun von dem ich es über
viele Jahre erlernt habe, meint das man mit Liu He Ba Fa eine Art
Überblicksposition einnehmen kann und für jede Situation
die beste Lösung aus den 3 klassischen Systemen finden kann.
Man kann die Bewegungen nur sehr schwer beschreiben, sie sehen
häufig aus wie Tai Chi, aber an manchen Stellen wie reines, wirbelndes
Bagua, dann wiederum so schnell und explosiv wie Xingyi-Bewegungen.
Einfach von allem das Beste. Für bereits etwas in einer
inneren Kampfkunst erfahrene Menschen ist dieses System eigentlich
ein Muß. Aber auch jeder Neuling der Spaß an komplexen
sanften und harmonischen Bewegungen hat, sei dieses System eine Überprüfung
wert. Leider gibt es in Deutschland derzeit kaum jemand der dieses
sehr schöne System praktiziert, oder Unterrichtet.
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| 5. | Tongbei
Quan: Dieses bereits 1000 Jahre alte System habe ich
trotz intensiver über 35 jähriger Beschäftigung mit
der Materie der inneren Kampfkünste erst selbst im Jahre 2002
in China durch Sha Junjie kennen und sofort lieben gelernt. Es ist
ebenso mit keiner anderen mir bis dahin bekannten Kampfkunst zu vergleichen,
denn es stellt so eine Art Turbolader unter den Kampfkunstsystemen
dar. Man berührt und schlägt seinen eigenen Körper
unzählige Male leicht und sehr schnell während der Ausführung
der höheren komplexeren Grundtechniken von denen es 3 Sets mit
je 24 Grundtechniken gibt, aus denen dann später 5 oder 6 Formen
gebildet werden. Es ist das schnellste an aufeinander folgenden
Bewegungen was ich je gesehen habe. Auch akkustisch stellt
es eine Besonderheit dar. Man fühlt sich leicht an den bayrischen
Schuhplattler erinnert, wenn man einen fortgeschrittenen Tongbei Praktizierenden
zuschaut. Man sieht nur wirbelnde Arme und Beine und weiß eigentlich
gar nicht so genau woher diese klatschenden Laute herkommen. In der
Anwendung bei Partnerübungen weiß man bei der Vielfalt
der klatschenden Laute oft nicht ob man selbst getroffen wurde, oder
der Gegner sich selbst getroffen hat, zur Verwirrung unsererseits.
Auf jeden Fall wird unser Gehirnprozessor schneller durch
dieses System, was ich selbst ja erst seit kurzer Zeit übe. Aber
es ist eindeutig das ich trotz 35 jähriger Beschäftigung
mit sehr vielen Systemen durch Hsing-I und Tongbei am schnellsten
Fortschritte in der Schnellkraft und Sprungkraft Zunahme gemacht habe.
Es könnte mein neues Liebling System werden, aber dazu kenne
ich es noch selbst zu wenig.
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| 6. | Lan Shou northern Shaolin: Diese innere Kampfkunst habe ich von George Xu aus San Francisco hauptsächlich über seine etxrem schönen und sehr schnörkellosen Waffenformen kennen und lieben gelernt. Es beinhaltet unzählige Waffen und 2 oder 3 sehr lange Solo Handformen von hoher Komplexität. Es erinnert in der Art der Bewegung und Ausführung häufig an Karate Katas und Taekwon-Do Hyongs. Die Waffenformen sind in jeder Bewegung absolut konkret und effizient in der Selbstverteidigungs-Anwendung. Das System sieht auf den ersten Blick ein wenig äußerlich aus, bietet aber dennoch vollen Zugriff auf die inneren Energien. Meine eigenen Erfahrungen mit diesem System beziehen sich auf die "Holding the Moon" Säbel Form, die ich seit etwa 10 Jahren praktiziere und die wunderschöne, sehr spektakuläre Doppelsäbel Form mit dem pathetischen Namen "10.000 victory double broadsword form" Beide Formen geben einem sehr reale und sehr praktische Einblicke in die Art und Weise wie im Lan Shou mit Energie umgegangen wird. Laut George Xu wurde dieses System häufig von Muslimen in China praktiziert. Außerdem habe ich noch eine Speerform ( die Kirschblüten Speerform ) dieses Systems erlernt, die ungefähr aus 64 Bewegungen besteht und sehr schöne sehr bewegte Elemente aufweist. Jede dieser Formen verbessert unser Gefühl was man mit einer Waffe so alles anfangen kann. Man erhält sehr schnell ein sehr realistisches Gefühl, wie man die Waffe im Ernstfall gezielt einsetzen kann. Mit den waffenlosen Formen habe ich mich selbst noch nicht ausführlich beschäftigt.
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So, ich habe nun einmal kurz versucht mit wenigen Sätzen, das Wesentlichste all dieser 6 mir derzeit bekannten inneren Kampfkünste des alten China herauszuarbeiten. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich ernsthaft für diese Materie interessiert wirklich auch mal die anderen Kampfkünste am eigenen Leib auszuprobieren, als ständig nur im eigenen Universum der derzeit am häufigsten praktizierten Kunst kleben zu bleiben. Mir persönlich hat jede einzelne Bewegung und jeder Gedanke wie kann ich Chi noch lenken mit meinem Körper, oder mit meinem Geist ein neues Bewusstsein ermöglicht. Heute kenne ich Hunderte, um nicht zu sagen Tausende von Methoden und Wegen, wie man in sich mit Energie umgehen kann. Diese Vielfalt und diese enorme Unterschiedlichkeit wie man als Mensch mit den uns umgebenden Energien umgehen kann, hat mir sehr viel an persönlicher Lebenserfahrung gebracht. Ich persönlich möchte keine dieser Erfahrungen missen. Außerdem hat man nicht immer die gleiche Lust sich in der gleichen Weise mit der gleichen inneren Einstellung zu bewegen. Manchmal macht einem dieses immer gleiche Erleben die Schönheit einer inneren Bewegungskunst etwas schal. Durch neue Anregungen und neue Sichtweisen, wie man mit Energie auch umgehen könnte kann man sich sein eigenes Training immer wieder erneut interessant gestalten. Genauso wenig wie einem die Kenntnis mehrerer Fremdsprachen dümmer machen würde, ist es auch mit der Unterschiedlichkeit von äußerer und innerer Energiebewegung. Je mehr man kennt, desto mehr kann man anwenden und einsetzen.
Zu jeder einzelnen dieser 6 inneren Kampfkünste Chinas werden wir in den nächsten Wochen und Monaten weitere ausführlichere Zusatzartikel ins Netz stellen. Soweit wir über gute Bilder verfügen werden wir auch diese hinzufügen, damit Sie sofort einen optischen Eindruck von der Schönheit dieser jeweiligen Kunst gewinnen können.
Dieser
Artikel wurde von Lehrmeister Volker Jung verfasst.
© Dezember 2003
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